Somatoforme und Somato-psychische Störungen

Somatoforme Störungen

Unter somatoformen Beschwerden werden körperliche Beschwerden und Missempfindungen verstanden, für die trotz sorgfältiger Diagnostik keine körperliche Ursache gefunden werden kann oder für die das Ausmaß der Beschwerden nicht ausreichend mit dem vorliegenden somatischen Befund erklärt werden kann. Schmerzen im Bewegungsapparat, Magen-Darm-Beschwerden, jedoch auch Beschwerden des Atmungssystems und des Herz-Kreislaufsystems, zählen zu den häufigsten Beschwerden unter den körperlichen Missempfindungen, die auf psychosoziale Konflikte zurückgehen.
Betroffene fühlen sich nach zumeist zahlreichen Arztbesuchen häufig unverstanden und nicht ernst genommen, wenn sie hören, dass sie „eigentlich nichts haben.“ Viele Betroffene suchen daher weiter nach einer passenden Diagnose für ihre körperlichen Beschwerden, wenngleich die erfolglosen Versuche, Verständnis und Hilfe zu finden, zu immer mehr Enttäuschung und Verzweiflung führen.  

Im Rahmen einer psychosomatischen Behandlung wird zunächst gemeinsam mit dem Patienten die bis dato durchgeführte Diagnostik gesichtet und im Anschluss über eventuell noch ausstehende Untersuchungen entschieden. Bestehen noch Unklarheiten oder sind weitere Untersuchungen aus medizinischer Sicht indiziert, werden diese durchgeführt. Während der psychotherapeutischen Behandlung wird mit den Betroffenen ein psychosomatisches Erklärungs- und Entstehungsmodell der somatoformen Beschwerden erarbeitet. Es geht darum, psychische und soziale Konflikte und die entsprechenden zumeist verdrängten negativen Gefühle erkennbar und erlebbar zu machen. Da somatoforme Störungen nicht selten einen somatischen Kern haben, also eine tatsächliche körperliche Erkrankung oder eine entsprechende Prädisposition, die nicht vollständig kuriert werden kann, geht es in der Behandlung auch um die Erarbeitung eines alternativen Umgangs mit den Beschwerden. Neben der Aufarbeitung biographischer Konflikte wird in der Therapie auch an Lösungen für weiterhin bestehende und belastende Lebensereignisse gearbeitet sowie an der Stärkung der Selbstwirksamkeit, damit in Zukunft besser umgehen zu können.

Somato-psychische Störungen

Eine somato-psychische Störung entsteht als Reaktion auf schwere, zumeist chronische körperliche Erkrankungen wie beispielsweise Krebs, Herzerkrankungen oder Diabetes mellitus. Der somatisch schwer erkrankte Mensch ist einer Vielzahl an Herausforderungen ausgesetzt. Die akute teils lebensbedrohliche Erkrankung, die Veränderungen im sozialen Umfeld und den Ausfall der Arbeitsfähigkeit mit sich bringt, konfrontiert die Betroffenen mit existenziellen Fragestellungen. Hinzu kommt der Verlust der körperlichen Unversehrtheit mit allen Konsequenzen. Auch erlebt sich der Patient durch die Behandlung der Erkrankung, die Krankenhausaufenthalte und Medikamente, die oftmals schwere Nebenwirkungen zur Folge haben, in einem veränderten Milieu fernab und isoliert vom privaten und beruflichen Alltag.

Die Betroffenen entwickeln aufgrund der psychischen und sozialen Belastungen, denen sie durch die körperliche Erkrankung ausgesetzt sind, eine psychische Störung. Oftmals treten Anpassungsstörungen, Depressionen oder Angststörungen im Rahmen solcher Störungen der Krankheitsverarbeitung auf. Bereits vormals bestehende psychische Erkrankungen können unter der Belastungssituation wieder in Erscheinung treten. Ziel der psychotherapeutischen Behandlung ist insbesondere die Unterstützung der Krankheitsverarbeitung und Reaktivierung von mentalen Ressourcen.