Essstörungen

Binge-Eating

Der Name der Erkrankung kommt aus dem Englischen (binge = schlingen) und benennt damit auch gleichzeitig die Symptomatik. Die Binge-Eating-Störung beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem anfallsartig durchschnittlich mindestens zweimalig pro Woche über einen Zeitraum von 6 Monaten unkontrolliert gegessen wird und in kurzer Zeit große Mengen Nahrung zu sich genommen werden. Nach der Essattacke erleben die Betroffenen heftige Gefühle von Scham und Ekel. Gegenregulierende Maßnahme wie Erbrechen oder Sport werden nicht eingesetzt. Die Binge-Eating Störung tritt nicht selten in einem Zusammenhang mit Begleiterkrankungen wie depressiven Erkrankungen, Traumafolgestörungen und der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) auf. Für die Binge-Eating-Störung und deren Begleiterkrankungen bietet die Psychosomatische Klinik Kloster Dießen eine eigene spezifische Gruppentherapie an.

Mit Binge-Eating assoziiert sind häufig essgestörte Verhaltensweisen wie das sogenannte „Night-Eating“, bei dem die Essanfälle in den Nachtstunden auftreten, oder das „Grazing“, also das kontinuierliche „grasende“ Essen. Diese können im Rahmen anderer Essstörungen oder isoliert auftreten. Sie finden sich jedoch zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund der noch ausstehenden wissenschaftlichen Verankerung nicht als eigenständige Diagnosen in den gängigen Klassifikationssystemen wieder.

Anorexia nervosa

Die Anorexia nervosa beschreibt einen willentlich herbeigeführten Gewichtsverlust durch eine niedrigkalorische Ernährung. Die Betroffenen schränken ihre tägliche zu sich genommene Nahrungsmenge deutlich ein. Fette, Kohlenhydrate, respektive Süßigkeiten werden vermieden. Trotz eines sichtbaren Untergewichtes fühlen sich die Erkrankten viel zu dick und habe große Ängste vor einer Gewichtszunahme. Sinkt der BMI unter einen Wert von 17,5 kg/m² spricht man von einer Anorexia nervosa, ist der BMI bei ansonsten typischen Kriterien über 17,5 kg/m² spricht man von einer atypischen Anorexia nervosa, insofern die Symptomatik und ihr Verlauf für das Vorliegen einer Magersucht sprechen.

Weitere Maßnahmen zur Gewichtsreduktion können vermehrter Sport und Medikamentenmissbrauch, beispielsweise von Appetitzüglern und Abführmitteln, sein. Das Körpergewicht wird meist täglich, teilweise nach jeder Mahlzeit, durch Wiegen kontrolliert. Die Denkinhalte sind geprägt von einer ständigen Beschäftigung mit dem Thema Essen, was bisweilen zwang- oder sogar wahnhafte Züge annehmen kann.

Bulimia nervosa

Die Hauptsymptome der Bulimie sind Essattacken, in denen unkontrolliert große Mengen gegessen und als Gegenregulation von den Betroffenen wieder kompensatorisch erbrochen werden. Eine Vielzahl der Patienten essen an den Folgetagen restriktiv, bis der Heißhunger so weit angestiegen ist, dass wiederum ein Essanfall - in der Regel mit nachfolgendem Erbrechen - die Folge ist. Die Essanfälle treten über mehr als drei Monate mindestens zweimalig pro Woche auf. Oftmals werden im Rahmen der Essanfälle Lebensmittel konsumiert, die leicht zu erbrechen oder ansonsten mit einem inneren Verbot belegt worden sind.

Die Erkrankten sind meist normalgewichtig, leiden aber ebenso wie die Patienten mit Anorexie an einer Furcht vor Gewichtszunahme. Auch ihr Selbstwertgefühl ist stark abhängig vom Körpergewicht. Andere kompensatorische Maßnahmen zur Gewichtsregulation können Sport oder ein Medikamentenmissbrauch sein. Nach den Essanfällen mit anschließendem Erbrechen leiden die Patienten unter massiven Selbstwertzweifeln, heftigen Scham- und Schuldgefühlen. Die Denkinhalte sind geprägt von einer ständigen Beschäftigung mit dem Thema Essen.

Bitte beachten Sie

Lediglich bei Binge-Eating Störungen behandeln wir diese als Hauptdiagnose. Anorektische und bulimische Essstörungen werden nur therapiert, wenn sie komorbid - also im Rahmen anderer, von uns behandelter psychosomatischer Erkrankungen - vorliegen. Im Gespräch vor der stationären Aufnahme kann dies hinreichend geklärt werden. Bei chronifizierten Essstörungen mit ausreichender somatischer Stabilität und dem Wunsch nach einer Verbesserung der Lebensqualität planen wir gerne gemeinsam mit Ihnen eine mögliche Behandlung.