Spezialtherapien

Neben den verbalen Verfahren in Einzel- und Gruppentherapie wird im Rahmen von Spezialtherapien auch mit besonderen körpertherapeutischen und künstlerischen Mitteln psychotherapeutisch gearbeitet. Alle Patienten nehmen jeweils zweimal pro Woche an der Bewegungstherapie und Kunsttherapie und einmal an der Musiktherapie teil. Die Besetzung der spezialtherapeutischen Gruppen erfolgt in der Regel analog zu denen der Basisgruppe, sodass die Patienten dort in Kontinuität und Vertrautheit miteinander interagieren und therapiert werden können.

Im Hinblick auf alle Spezialtherapien wird im Haus die Möglichkeit geschaffen, sich in einem angemessenen Rahmen auch außerhalb der Therapiezeiten gezielt zu bewegen, künstlerisch zu betätigen und zu musizieren. Es ist wichtig, dass die neu erschlossenen Ausdrucks- und Betätigungsmöglichkeiten aus eigener Motivation und Initiative heraus weiter geführt werden können, dies insbesondere auch hinsichtlich des Transfers in den Alltag.

Körpertherapie

Körpertherapie stellt einen der wichtigsten Bestandteile der psychosomatischen Behandlung dar. Menschen mit psychosomatischen Störungen fühlen sich zumeist auf unterschiedliche Art und Weise von ihrem Körper und seinen Funktionen entfremdet. Den Bezug zwischen Psyche und Soma wieder herzustellen, ist eine zentrale Aufgabe aller psychosomatischen Bemühungen. Mindestens in zwei Therapiestunden pro Woche geht es darum, den Bezug zum eigenen Körper zu verbessern und seine Bewegungsspielräume zu erweitern. Psychische Gesundheit hängt nicht unerheblich davon ab, ob wir in unserem Körper heimisch sind, ob wir seine Bedürfnisse wahrnehmen und erfüllen können. Dies gilt beispielsweise für den internetabhängigen jungen Mann genauso wie für die ausgebrannte Geschäftsfrau. Bei Patienten mit spezifischer Indikation und Neigung können hier jeweils auch Schwerpunkte auf Sport-, Entspannungs- oder Tanztherapie gelegt werden. In jedem Fall kommt es darauf an, den Körper im Wechsel von Bewegung und Ruhe neu zu erleben und ein ausbalanciertes Repertoire an Bewegungs- und Entspannungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Kunsttherapie

Die Kunsttherapie ist ein handlungsorientiertes Therapieverfahren und bietet eine Ausdrucksform jenseits der Sprache. Sie öffnet einen individuellen Gestaltungsraum. Einen Raum, in dem experimentiert, probiert, verworfen, neu zusammengesetzt und verändert werden kann. Dabei gilt: Alles ist richtig, nichts ist falsch.

Die Kunsttherapie setzt an einem tiefen Grundbedürfnis des Menschen an, sich gestalterisch auszudrücken und mit sich und anderen in Kontakt zu treten. Häufig ist bei Patienten mit psychosomatischen Krankheitsbildern der Bezug zum eigenen Körper und Gefühlserleben sowie zur Umwelt aus dem  Gleichgewicht geraten. Hier können der bildnerische Gestaltungsprozess und die sinnliche Erfahrung des künstlerischen Materials neue Erfahrungs-, Entwicklungs- und Begegnungsräume schaffen. Die kreative Auseinandersetzung mit persönlichen Themen und Krankheitsprozessen bietet dem Betroffenen ein Experimentierfeld, in dem ein Ausdruck für die eigene Gefühls- und Gedankenwelt entfaltet und entdeckt werden kann. Dabei sind der Gestaltungsprozess sowie das entstandene Werk gleichermaßen von Bedeutung. Dieser aktiv-bildnerische Prozess wird begleitet und unterstützt von der Kunsttherapeutin, die je nach Indikation zusammen mit dem Patienten unterschiedliche Schwerpunkte setzt.

Die Gestaltungsmacht auf Papier zu erlangen bedeutet nicht nur sich als selbstwirksam zu erleben, sondern ist auch ein wichtiger Schritt, der der Handlungsmacht und somit der Veränderung im realen Leben vorausgeht. Die Verbildlichung bietet die Möglichkeit, das eigene innerpsychische Erleben aus  distanzierter Warte zu betrachten und zu explorieren. Über die Auseinandersetzung  werden damit verbundene Gedanken, Muster und Zusammenhänge bewusst gemacht und über den kreativen Prozess in die Gestaltung gegeben. Was auf bildnerischer Ebene entwickelt wird, kann dann in das Alltagsleben übertragen werden und den Handlungsspielraum erweitern.
Im Mittelpunkt stehen hierbei weniger die Krankheit, sondern vielmehr die gesunden Anteile, die individuellen Fähigkeiten und Möglichkeiten der Patienten.

Als zusätzliches kreatives Angebot können die Patienten fakultativ an einem freien Atelier teilnehmen. Hier können die Patienten mit unterschiedlichen Techniken und Materialien experimentieren und nach eigenen Vorstellungen frei (weiter)arbeiten.

Musiktherapie

In der Musiktherapie, die die Patienten mindestens einmal pro Woche erhalten, geht es nicht darum, in erster Linie schöne Musik zu erzeugen, sondern vielmehr darum, über das Musizieren in der Gruppe mit einfachsten Mitteln und Instrumenten ein intensives emotionales Erleben zu ermöglichen. Zum Einsatz kommen sowohl Rhythmusinstrumente als auch Instrumente, die eine Melodie erzeugen. Insofern kann auf unterschiedliche Vorkenntnisse im Umgang mit dem Musizieren eingegangen werden. Auch die eigene Stimme kann in der Musiktherapie gesanglich zum Einsatz kommen. Das nonverbale Erleben des aktiven Zusammenspiels von Rhythmus und Melodie bietet vor allem Zugänge für affektive Inhalte und ist ein wichtiger Bestandteil im psychotherapeutischen Gesamtkontext. Bei Patienten, die ganz besonders intensiv und positiv auf die Musiktherapie reagieren, können auch die Frequenz der Behandlung erhöht oder Einzelsitzungen vereinbart werden. Dies gilt gleichermaßen für Kunst- und Bewegungstherapie.