Ärzte- und Therapeutengesundheit

Oft stehen diejenigen, die sich um die körperliche und seelische Gesundheit Anderer kümmern, selbst unter einem hohen Druck. Manchmal können sie dem irgendwann nicht mehr standhalten, das bestätigen diverse Studien. So scheint bei Ärzten die Punktprävalenz für eine klinisch relevante depressive Störung mit 6-13% und die Lebenszeitprävalenz mit 41-45% deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung zu liegen. Als Begleiterkrankungen treten zudem häufig Angsterkrankungen, Persönlichkeitsstörungen, ADHS und Substanzmissbrauch auf. Besonders betroffen sind Notfallmediziner, Internisten, Allgemeinmediziner, Neurologen, Psychiater und Psychotherapeuten. Da informelle Konsultationen und Selbstdiagnostik/-therapie sehr häufig stattfinden, begeben sich die Betroffenen oftmals zu spät in professionelle Behandlung. Der Rollenwechsel vom Arzt beziehungsweise Psychotherapeuten zum Patienten stellt Behandler wie Betroffene immer wieder vor große Schwierigkeiten. In Deutschland gibt es zudem nur wenige Kliniken, die auf die Behandlung von Ärzten und Psychotherapeuten spezialisiert sind. Mit unserem Angebot richten wir uns an Ärzte und Psychotherapeuten, die sich im Beruf und/oder Privatleben über ihre Grenzen hinaus verausgabt und überlastet haben und darüber psychosomatisch erkrankt sind. Oftmals haben die Betroffenen den Eindruck, sich in ihrem Beruf und ihrer Berufung nicht mehr wiederzuerkennen und leiden unter Sinnentleerung und Entfremdung. Ziel unserer Arbeit ist es, den „verwundeten Heiler“ wieder in Einklang mit sich selbst zu bringen. Die beruflich hoch kompetente Seite soll dabei um eine selbstfürsorgliche Seite ergänzt werden.

Mögliche Symptome depressiver Störungen

  • Ausgeprägte körperliche und mentale Erschöpfung
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Körperliche Schmerzen oder muskuläre Verspannungen
  • Depressive Stimmung und erhöhte Reizbarkeit
  • Freudlosigkeit, Interessenverlust, Antriebslosigkei
  • Selbstzweifel und Zukunftsängste
  • Lebensmüde oder suizidale Gedanken
  • Selbstschädigendes Verhalten, z.B. in Form von Selbstmedikation mit Genuss- und Suchtmitteln
  • Rückzug aus dem sozialen Leben

Unser Therapieansatz

Wir gestehen den Ärzten und Psychotherapeuten, die sich bei uns in Behandlung begeben, hundertprozentig die Patientenrolle zu. Das gesamte an der Behandlung beteiligte Personal wird diesbezüglich regelmäßig geschult und supervidiert. Dabei ist unser Behandlungskonzept geprägt von modernen therapeutischen Ansätzen unterschiedlicher Verfahren, dies basierend auf einem kognitiv-behavioralen therapeutischen Grundkonzept. Dass dabei neben klassischen Elementen der Verhaltenstherapien, wie dem Aufbau von sinnstiftenden antidepressiven Aktivitäten oder dem Training interpersoneller Fertigkeiten, auch neuere Entwicklungen wie die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) und schematherapeutische Interventionen einfließen, ist für uns selbstverständlich. Die Kontakte in der Einzeltherapie stellen neben unserem intensiven gruppentherapeutischen Angebot das zentrale Element unseres Behandlungskonzepts dar. Hier wird ein Modell für die Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung vor dem biografischen Hintergrund entwickelt. Einen weiteren Schwerpunkt der Einzel- wie Gruppentherapie stellt die Wahrnehmung und Regulation von Emotionen dar. Spezifische Belastungsfaktoren, die sich aus dem Arzt-/Therapeutenberuf ergeben, werden in einer zusätzlichen Gruppe aufgegriffen. Dabei geht es beispielsweise um Themen wie „Verantwortung“ oder das „Arzt/Therapeuten-Ideal“. Auf Wunsch erfolgt ein poststationäres Online-Gruppenangebot. Ergänzende Angebote Kreativtherapeutische Verfahren wie Kunst-, Körper- und Musiktherapie stellen sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting weitere wichtige Therapiebausteine dar. Auch hierbei achten wir auf eine individuelle Behandlungsplanung. Ergänzend kann zu sozialrechtlichen Fragestellungen eine Beratung erfolgen. In der Psychosomatischen Klinik Kloster Dießen möchten wir die beeindruckenden Möglichkeiten dieses Ortes mit in die Therapie einbinden. Daher finden sich auch Angebote zur tier- und naturgestützten Therapie in unserem Programm. Des Weiteren bieten wir achtsamkeits- und körperbasierte Verfahren (wie Yoga und Meditation) an, die den Einklang von Psyche und Körper unterstützen.

Behandlungsziele

  • Reduktion des aktuellen seelischen und körperlichen Belastungsniveaus und der Symptome der psychischen Erkrankung
  • Erkennen persönlicher Erlebens- und Verhaltensmuster im biografischen Kontext
  • Wiedererleben und Stärkung persönlicher Ressourcen und Etablierung von sinnstiftenden und gesunden Verhaltensweisen
  • Verbesserung der Emotionswahrnehmung und –regulation
  • Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit im Hinblick auf die eigenen Bedüfnisse

Unseren Informationsflyer zum Thema "Ärzte- und Psychotherapeutengesundheit (Burnout, Depression, Angsterkrankungen und komorbide Störungen)" können Sie hier herunterladen.