Das Kloster als Ort der Besinnung

Die unterschiedlichsten Kulturen und Religionen haben stets Refugien hervorgebracht, in die sich nicht nur Geistliche zurückziehen konnten - sie standen in der Regel auch Bürgern offen, die einen Abstand vom allzu Weltlichen suchten, um ihrem Leben und Schaffen eine neue Richtung zu geben. Vor allem die Klöster in Europa haben - bei aller individueller Unterschiedlichkeit der Orden - einige Gemeinsamkeiten, die auf die überzeitliche Wirksamkeit ihrer räumlichen Bedingungen schließen lassen. Sie wurden zumeist auf Hügeln oder Bergen gebaut und bieten dadurch auch im übertragenen Sinne die Möglichkeit, mit gesundem Abstand und Weitsicht auf die Dinge zu sehen. Nicht nur die Erhabenheit der gewählten Orte, auch die der Architektur trägt in der Regel dazu bei, sich hier sicher und aufgehoben zu fühlen.

Klöster waren und sind nicht zuletzt immer auch Orte, in denen die schönen Künste selbstverständlich zum Alltagsleben gehörten, vor allem Malerei, Bildhauerei und Musik, die über Jahrhunderte fast ausschließlich sakraler Art waren. Von inspirierender Schönheit sind auch die natürlichen Umgebungen der Klöster, ihre Gärten, Ländereien und Landschaften. Drinnen wie draußen wird in der Zurückgezogenheit der Klöster eine Stille zelebriert, die unwillkürlich zur Kontemplation anregt. Aus der Ruhe können nicht nur neue Kräfte erwachen, sondern auch gute Gedanken erwachsen. Die Klöster kultivierten dabei einen nicht auf religiöse Fragen beschränkten gedanklichen Austausch und wirkten somit weit über ihre Grenzen hinaus auf das Geistesleben ihrer Zeit zurück. Schönheit und Ruhe in Natur und Kultur, geistliche und geistige Kontemplation und Kommunikation, boten und bieten Orte wie das Kloster Dießen, das nun eine Psychosomatische Klinik beherbergt.