Gesundwerdung mit natürlichen und kulturellen Ressourcen

Jenseits von Religiosität verbinden heute viele Menschen mit dem Erleben von Kunst und Natur spirituelle beziehungsweise geistige Erfahrungen mit heilsamer Wirkung. Dieser Bezug soll in den therapeutischen Ansätzen und den darüber hinaus vorgehaltenen Angeboten der Klinik besonders gewürdigt werden. Psychotherapie erfolgt in ihren zentralen Methoden über das gesprochene Wort und damit über zum Ausdruck gebrachtes Denken. Das Fühlen und Handeln, also der emotionale und physische Zugang sind jedoch ähnlich wichtig, wenn es darum geht, Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen umfassend zu behandeln.

Zu diesem Zweck wird nicht nur besonderes Augenmerk auf künstlerische Ansätze in Werken, Kunst- und Musiktherapie sowie körpertherapeutische Ansätze in Sport, Bewegungs- und Tanztherapie gelegt, sondern auch auf achtsamkeitsbasierte Herangehensweisen, die tier- und naturgestützte Therapieansätze einbeziehen. Über den therapeutischen Rahmen hinaus soll das Erleben von Kultur und Natur auf dem Klostergelände und seiner Umgebung zum umfassenden Programm der Klinik gehören. Indem auch außerhalb des regulären Therapieprogramms neue individuelle Ausdrucks- und Erlebnismöglichkeiten erprobt und etabliert werden, können die Patienten für sich ein individuelles Repertoire an Ressourcen für den Transfer in den Alltag entwickeln. Jenseits von Ablenkung, Zerstreuung und Betäubung gezielt Quellen der Kraft und Inspiration im Alltag aufsuchen zu können, ist ein wichtiges Agens für einen nachhaltigen Therapieerfolg. Wenn es zum Beispiel um die positiven Wirkungen von Kunst und Musik geht, kann das auf drei Arten und Weisen geschehen. Den Kern bildet erstens die eigentliche Kunst- und Musiktherapie unter professioneller Anleitung. Zweitens ist es wichtig, dass die Patienten auch außerhalb der Therapiezeiten die Möglichkeit bekommen, zu malen und zu musizieren. Drittens sollen die Patienten innerhalb und außerhalb des Klosters auch professionelle Kunst und Musik erleben können. Ähnlich kann hinsichtlich der Therapieansätze verfahren werden, die sich auf unsere physischen Lebensbedingungen beziehen, bei denen es also um den eigenen Körper oder den Umgang mit Natur, mit Fauna und Flora geht.

Es wird hier ganz bewusst auf bewegungs- und sporttherapeutische Anwendungen Wert gelegt, die möglichst ohne viele Geräte auskommen, die vollen Körpereinsatz erfordern und in der sinnlichen Begegnung mit der Natur erfolgen. Dies ist auch sinnvoll und wichtig, damit die Patienten das in den körperorientierten Therapien Erlebte und Erlernte auch außerhalb der Therapiezeiten möglichst ohne äußere Hindernisse in Eigenregie fortführen können. Ähnlich verhält es sich mit den Entspannungsverfahren und der Meditation mit beruhigender Wirkung wie für die eher anregenden bewegungstherapeutischen Ansätze inklusive des Sports. Auch hierfür werden innerhalb und außerhalb der Klinik Möglichkeiten geschaffen, diese in der Freizeit und am Wochenende auszuüben. Zur Entspannung stehen dafür auch jenseits der Therapiezeiten der Wintergarten der Physiotherapie und eine freistehende Loggia im Klostergarten zur Verfügung. Für den Freizeitsport bietet die Vielfalt der umliegenden Landschaft mit Wäldern und Wiesen, Seen und Hügeln unendliche Bewegungsmöglichkeiten.

Entsprechende Exkursionen können das natur- und tiergestützte Therapieprogramm ergänzen. Hierzu gehören zum Beispiel therapeutische Ansätze, die Achtsamkeit für die Sinnestätigkeit und deren Wahrnehmung fördern, wozu ganz konkret auch eine Beteiligung an der Pflege des Klostergartens, der Anbau und das Ernten von Obst und Gemüse sowie deren Verarbeitung in einer Therapieküche einen Beitrag leisten können. In diesem Zusammenhang ist auch die Anwendung tiergestützter Psychotherapieverfahren zu nennen, die sich mittlerweile auf etliche wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise berufen kann und sich eines gewachsenen Zuspruchs erfreut.