Persönlichkeitsstörungen und Persönlichkeitsakzentuierungen

Unter einer Persönlichkeitsstörung werden Erfahrungs- und Verhaltensmuster verstanden, die dauerhaft, stabil und bereits seit Kindheit oder Jugendalter bestehen, und für die betroffenen Personen oder deren Umfeld schwerwiegende Probleme bereiten. Die Erfahrungs- und Verhaltensmuster können im individuellen Denken, Fühlen und Handeln sowie in der Art des Umgangs mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu Schwierigkeiten führen.

Menschen, die unter einer Persönlichkeitsstörung leiden, fällt es meist schwer, auf herausfordernde Situationen flexibel und angemessen und flexibel zu reagieren. So kann ein bestimmtes Verhalten, beispielsweise ein ausgeprägtes Leistungsstreben, in mancherlei Situationen durchaus hilfreich und ein Erfolgsgarant sein. In anderen Situationen wiederum, beispielsweise im Privatleben, erscheint eine Abkehr vom Leistungsdenken jedoch ebenso wichtig und notwendig. Gelingt diese situative Flexibilität nicht, kann dies zu massiven Schwierigkeiten führen. Persönlichkeitsstörungen haben zumeist Einschränkungen in der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit zur Folge, so beispielsweise durch wiederkehrende Konflikte im partnerschaftlichen, familiären oder beruflichen Umfeld. Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung führt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch zur Entwicklung anderer psychischer Erkrankungen, wie zum Beispiel Depressionen, Angst- oder auch Suchterkrankungen.

Die Entstehung von Persönlichkeitsstörungen wird inzwischen durch ein bio-psycho-soziales Modell erklärt. Es wird also angenommen, dass sowohl genetische Faktoren als auch Faktoren, die das Aufwachsen und Leben in einem bestimmten psychischen und sozialen Umfeld betreffen, für die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Persönlichkeitsstörungen verantwortlich sind.

Auch heute noch hält sich teilweise die Annahme, dass Persönlichkeitsstörungen nicht behandelbar seien. Das Gegenteil ist der Fall. Inzwischen haben sich Verfahren und Behandlungsansätze etabliert, die auch eine gelungene Therapie von Persönlichkeitsstörungen möglich machen. Dazu zählen aus dem Bereich der Verhaltenstherapie beispielsweise die Schematherapie und die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) sowie aus dem Bereich der psychodynamischen Therapieverfahren die Übertragungsfokussierte Therapie (TFP) und die Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT).